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2018 Der grüne Salon und üppige Blütenpracht

Ein neuer Raum für Pratolungo

Am liebsten sind wir unter freiem Himmel! Nur wenn es zu sehr stürmt oder regnet erwacht der Wunsch nach einem Dach über dem Kopf… und das war in den ersten Jahren das große Wohnzelt. Es wurde jedoch schon bald mürbe von der intensiven Sonne und leider gab es keine neue Plane mehr zu kaufen. So wanderte das Metallgestell des Zeltes in den Garten und dient nun als Rankhilfe für alles was in die Höhe wachsen möchte. Nach allerlei Bürokratischem Hin- und Her fand ich heraus, dass ich als Bäuerin ein festes Dach für meine Werkzeuge bauen darf. Ansonsten sind neue Bauten in unserer Gegend ja aufgrund des Landschaftsschutzes quasi unmöglich - was zwar manchmal ärgerlich scheint, im Grunde aber auch den Charme dieses Landstriches erhält.
So entstand nun also im Frühling 2018 ein ganz legaler Neubau: der Grüne Salon. Selbstverständlich dient er in erster Linie als Aufbewahrungsort für allerhand Werkzeug, im Sommer jedoch wird er frei geräumt und meine Gäste können ihn als Wohnraum nutzen. Der Bau war eine wahre Schlamm-Schlacht, da das Jahr 2018 ganz im Gegensatz zum vorherigen Jahr sehr wasserreich war. Es regnete im Mai fast täglich und bis in den Juli hinein sehr viel, sogar der Ginster blühte noch im Hochsommer!

Dass der grüne Salon noch punktgenau rechtzeitig zur Anreise der Trommelgruppe fertig wurde, ist nur der fleißigen Mithilfe unseres Vereins zu verdanken… danke Luca, Anna, Marco, Petra und Angelo!
Näheres zu unserem Verein findet ihr unter www.La Proda.it

Der grüne Salon ist eine festen Dach mit Glaseinsatz und bietet Schutz vor Regen, die flexiblen Wände können bei Wind geschlossen werden. Der Holzofen hat sich bereits an kühlen Abenden bewährt und vor allem die Trommelgruppe von Dieter Weberpals aus Nürnberg fand Schutz vor den zahlreichen Regengüssen im Mai diesen Jahres.

Im Herbst ließ ich noch auf Dieters Anregung hin oberhalb des grünen Salons eine Ebene anlegen, so daß nun auch unter dem großen Baum im Schatten getrommelt, gechillt, geplaudert, gegessen oder herumgelegen werden kann.

Auch in diesem Sommer konnten zwei Mädchen aus dem Antonia Werr Zentrum bei mir eine Auszeit nehmen, Sabrina blieb sogar fast 4 Monate und half dabei einige Strassenschilder zu renovieren.

2018 war mein privates Jahr der Traktorpanne. Mario, der nette Mechaniker aus Roccalbegna, war praktisch Dauergast auf Pratolungo. Ich lernte ihn nun auch von einer anderen Seite kennen, lernte allerhand neue italienische Flüche kennen und habe tiefen Einblick in das Innenleben meiner Traktoren erhalten. Bei einem seiner Besuche ließ der Mechaniker dann noch das obere Tor offen stehen (es war sehr heiß und er war etwas angeschlagen) und die Folge war dass die Esel ihre Chance ergriffen um mal wieder ihrem Kollegen in Santa Caterina einen Besuch abzustatten. Ich bemerkte ihre Flucht noch am Abend, konnte sie aber im dunkeln nicht mehr finden. Ich packte Halfter, Lock-Äpfel und Schlafsack ins Auto und verbrachte die Nacht im Bus in Santa Caterina. Im vergangenen Winter waren die drei Langohren etwas zu häufig ausgerückt gewesen, und hatten für ausgesprochen schlechte Stimmung bei einem Bauern in Santa Caterina gesorgt… da ich keinen weiteren Ärger riskieren wollte und ihre Absicht ahnen konnte, beschloss ich ihnen zuvor zu kommen und als erste im Dorf zu sein.
Tatsächlich tauchten sie im Morgengrauen dort auf, ich vergaß Halfter und Äpfel im Auto, erwischte Sarah und wickelte ihr meinen Jackenärmel um den Hals. Provisorisch gebändigt ergab sie sich in ihr Schicksal, und die anderen beiden folgten mehr oder weniger begeistert, wir hatten einen schönen Spaziergang nach Pratolungo!
Dem Mechaniker habe ich vor lauter Dankbarkeit für die vielen Besuche und Traktor-Schnell-Reparaturen natürlich schon verziehen… und bin glücklich dass nun Kies, Gebüsch, Gepäck etc. wieder transportiert werden können.

In einigen Suiten war der Ausblick rasant zugewachsen, auch eine Folge der fruchtbaren Witterung. Daher griff ich im Sommer noch zu Säge und Schnippelschere um den Fernblick für meine Gäste wieder zu eröffnen. In der Rotonda packte mich die Begeisterung am freischneiden ganz besonders, das Ergebnis ist nun ein noch viel tolleres Panorama als es jemals war.

Meine allerliebsten Helferinnen, mit denen wir 2014 den Lavendel gepflanzt hatten, kamen wieder - welche Feure! Diesmal befreiten Luise und Janni das ganze Feld von hoch gewachsenen Wildkräutern, kochten (unter anderem) sehr leckere Spätzle und erledigten „nebenbei“ noch eine Menge andere Arbeiten wie Möbel streichen, Schilder malen etc. Dazu boten sie mir auch noch an, sich um meine sträflich vernachlässigte Facebook Seite zu kümmern, schaut doch mal rein: www.facebook.com/Pratolungo2/

Die nasse Witterung sorgte nach dem trockenen 2017 diese Jahr für eine nie gesehen Blütenpracht auf den Wiesen und die Schmetterlinge flatterten in bunten Schwärmen über Pratolungo, es war eine wahre Pracht!

Die Mutmachercamps waren wieder da, wie auch im letzten Jahr mit sehr angenehmen Menschen und Jaybe hat einen wunderbaren Film über die Freilufträume gemacht, den es auf seinem Youtube Kanal JayBe outdoor TV unter „Lisa’s Freilufträume“ zu sehen gibt.

Die Verbesserung der Wasserversorgung bleibt weiterhin ein aktuelles Thema, auch wenn dieses Jahr aufgrund der vielen Niederschläge nie ein Mangel entstand. Nach vielen Überlegungen und Beratungen kam ich ja zu dem Entschluss, zunächst einen kleinen See als Regenwasserspeicher anzulegen, und den Bau eines Brunnens auf später zu vertagen. So wird das aus Spenden im Laufe der letzten 2 Jahre gesammelte Geld im kommenden Jahr einen großen Bagger bezahlen, der dann einen 4 Meter tiefen Teich anlegen wird mit einem Durchmesser von etwa 30 Metern. Die Genehmigung dafür ist möglich, weil ich den Wasserspeicher im Falle eines Waldbrandes der Feuerwehr als Löschteich zur Verfügung stelle. Nun hoffe ich dass die bürokratischen Hürden bald genommen sind und der Bagger anrücken kann.

Eine weitere Verbesserung in Sachen Wasserversorgung sind die großen Speichertanks an der Scheune, sie bekamen diese Jahr ein kunstvolles Fundament, das wir - wen wundert’s - aus bürokratischen Gründen nur ohne Zement bauen durften. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch und schließlich bin ich ja Steinreich. So bauten wir einen Rahmen aus lose aufgeschichteten Tuffsteinen und füllten diesen mit vielen vielen vielen Feldsteinen. Das war eine Geduldsarbeit, die sich aber gelohnt hat. Die Tanks stehen nun sicher und  perfekt, eine neue Wasserleitung verbindet sie mit der Gästeküche, und so wird ein erneuter Wassermangel wie 2017 immer unwahrscheinlicher.

Für den Winter habe ich mir die Verkleidung der Scheunenfassade vorgenommen, angefangen haben wir damit schon im Herbst. Wie durch ein Wunder tauchten zwei super Profihandwerker aus Deutschland auf und montierten mal eben so aus Spaß am werkeln die Unterkonstruktion für die Putzträger Platten. Danke Marc und Hansi!

Im vergangenen Jahr blieben meine Gäste geduldig und wir bewältigten gemeinsam die Situation des drastischen Wassermangels, viele halfen ganz selbstverständlich mit, die Wasserkanister zu befördern (weil natürlich gleichzeitig der Traktor kaputt war..).
In diesem Jahr war die Herausforderung eine gänzlich andere: vor allem die Trommelgruppe von Dieter Weberpals verdient ein großes Kompliment für den tapferen Umgang mit einem zur Schlammwüste mutierten Pratolungo… Zweimal musste ich notfallmäßig Kies kommen lassen, der Tieflader konnte gar nicht die Strasse bis zu uns befahren und kippte den Kies einfach oben an der Straße ab. Sergio kam auf mein dringliches Bitten sofort mit seinem Traktor und brachte den rettenden Kies Schaufel für Schaufel zu den im Schlamm versunkenen Autos und Wohnmobilen. Wenige Tage später wiederholte sich das Szenario… ich wagte kaum ihn wieder zu rufen, aber er kam. Ein wahrer Segen!

Für 2019 haben sich schon einige sehr interessante kleine Gruppen angemeldet, auch das Jugend-Visionssuche Camp wird wieder statt finden, und viele neue Kontakte sind über Mischa mit den Mutmachercamps und JayBe mit seinem outdoor TV entstanden, danke Mischa und JayBe!

Und wie immer freue ich mich auf die nächste Saison, auf viele interessante Gäste, Geschichten und auf all die überraschenden Erlebnisse, die so ein Freiluft Leben stets bereit hält!

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